Nach dem Ende der Franco-Diktatur erlebte Spanien eine gesellschaftliche Aufbruchstimmung, in deren Folge das Land viele Drogen- und Aidstote zu beklagen hatte. In ihrem autobiografisch gefärbten Spielfilm „Romería“ erinnert die Regisseurin Carla Simón an diese tabuisierten Krisenjahre.
Die 18-jährige Marina hat ihre biologischen Eltern nie richtig kennengelernt; der Vater starb, als sie ein Baby war, und die Mutter nur wenige Jahre später. Im Jahr 2004 macht sich Marina auf den Weg nach Galizien, um erstmals die Familie ihres Vaters Alfonso zu treffen. Der Anlass ist pragmatisch: Für ein Stipendium an einer Filmhochschule benötigt sie dessen Sterbeurkunde. Das, so denkt Marina (Llúcia Garcia), dürfte doch kein Problem sein. Doch dann muss sie feststellen, dass sie in den offiziellen Unterlagen gar nicht als Tochter genannt ist. Sie gerät nun unweigerlich in die Situation, ihre Familiengeschichte aufzuarbeiten. Carla Simón greift in diesen Filmen auf ihre eigene Lebensgeschichte zurück. Auch ihre Eltern gehörten zu jener Generation, die in den achtziger Jahren nach dem Ende der Franco-Diktatur neue Lebensmodelle ausprobierten und im Zuge der gesellschaftlichen und kulturellen Aufbruchsstimmung die neugewonnene Freiheit auskosteten. Dazu gehörte auch der Drogenkonsum. „Es war eine glückliche Periode, aber auch eine, in der in einigen Regionen des Landes Drogen überhandnahmen. Damit ging eine schnelle Verbreitung von HIV einher“, erklärt Carla Simón in einem Interview mit der taz. Doch obwohl so viele Menschen in Spanien in dieser Zeit an den Folgen von Aids starben, sei das Thema weiterhin tabuisiert. Mit ihrem Film möchte sie daher erreichen, dass mehr über diese Generation gesprochen wird. „Auch, weil sie diejenigen waren, die mit gestrigen Wertvorstellungen brachen, mit streng konservativen und erzkatholischen Überzeugungen, die nach der Diktatur noch sehr präsent waren.“
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Foto: © Piffl Medien, Quim Vives

