Adrian Lehne: „Ansteckungsverdächtig. HIV/AIDS, Recht und Subjektivierungsprozesse in der westdeutschen Schwulenbewegung“

Als Aids in den 1980er Jahren in Westdeutschland sichtbar wurde, existierte bereits eine ausdifferenzierte Schwulenbewegung. Durch Aids waren schwule Männer mit einer radikalen Veränderung ihrer Lebenswelt konfrontiert. Neben der unmittelbaren Bedrohung durch Leiden und Tod hatten auch Stigmatisierung und Debatten um staatliche Maßnahmen zur Seuchenbekämpfung Folgen für die Bewegung. In der Konsequenz mussten Kernforderungen überdacht und das Verhältnis zum Staat neu ausgelotet werden. Zudem wandelte sich das eigene Selbstverständnis sowie Vorstellungen von Zugehörigkeit und Solidarität. Der Band fragt nach diesen Transformationsprozessen und richtet den Blick hierbei auf das Recht als subjektivierende Instanz und Arena der Auseinandersetzung mit dem Staat. (Verlagsankündigung)

In seiner Dissertation untersucht Adrian Lehne die Rolle von Selbsthilfe und Schwulenbewegung im Rahmen der Anti-AIDS-Politik. Ausgewertet wurden dafür überregionale und regionale Zeitschriften der Schwulenbewegung, Überlieferungen der Aidshilfen und des Aids-Aktivismus sowie vier Zeitzeugeninterviews, darunter ein Gespräch mit dem ehemaligen Bundesanwalt Manfred Bruns. Lehne verortet seine Arbeit an den Schnittstellen zwischen einer „Zeitgeschichte der Bundesrepublik“, einer „Kulturgeschichte des Rechts“ und einer „queertheoretischen Sexualitätengeschichte“

Adrian Lehne: „Ansteckungsverdächtig. HIV/AIDS, Recht und Subjektivierungsprozesse in der westdeutschen Schwulenbewegung“. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2025, 420 Seiten. Auch im open acess verfügbar.

Ausführliche Besprechung von Henning Tümmers in „Archiv für Sozialgeschichte