Lion Christ „Sauhund“

In Lion Christs Debüt treibt es einen jungen Mann aus der Provinz nach München, wo er zum „Sauhund“ wird. Der Coming-of-Age-Roman eines selbstverliebten schwulen Glückssuchers ist auch eine Zeitreise in die 1980er-Jahre und den Beginn der Aidskrise.  Christs Debütroman setze „all den vergessenen Liebenden des ersten Aids-Jahrzehnts ein rauschhaftes Denkmal“, verspricht der Klappentext. Das ist vom Verlag dann doch etwas zu vollmundig formuliert. „Sauhund“ ist kein Aids-Roman. Die Krise, die dieses neu entdeckte Virus auslöst – in der Gesamtgesellschaft wie in der schwulen Community – wird zwar stets miterzählt, steht aber nicht im Zentrum dieses Coming-out- und Coming-of-Age-Romans. Lion Christ begnügt sich mit kleinen Blitzlichtern und Momentaufnahmen, um die Atmosphäre jener Jahre zu schildern. „Geschieht euch sicher ned unrecht, wenns bald krepiert, wie die da alle schreiben“, kommentiert etwa ein Taxifahrer die Schlagzeilen gegenüber seinem schwulen Fahrgast. „Hat sich der Herrgott ned die Falschen ausgesucht.“ Damit sind die Zeiten, in denen sich Flori berauscht von der Selbstverwirklichungseuphorie unbekümmert, leichtfertig und zügellos durchs Leben lavieren konnte, ohne Verantwortung für sich und andere zu übernehmen, endgültig vorbei. Denn da ist dieser Mann, der mehr ist als nur eine Kneipenbekanntschaft und der Floris Zuwendung, Hilfe und Liebe mehr als nötig hätte. Doch dieser Gernot ist bereits schwer an Aids erkrankt. 

Lion Christ „Sauhund“. 368 Seiten, Carl Hanser Verlag München, 2024.

Florian Fischer adaptierte den Roman 2025 für Münchner Kammerspiele.